Lucas Pannenborg Ohling
Ein gelegentlicher Besuch des "Fries Museum" in der Koningstraat zu Leeuwarden lässt einen unvermutet unter den Ausstellungsstücken des friesischen Silberhandwerkes auf einige bemerkenswerte Arbeiten stossen, die von einem Silberschmied namens "Lucas Oling" (Holländische Schreibweise, siehe "Oling" bei Appingedam) verfertigt wurden. Die sich an diesen Namen unvermittelt knüpfende Vermutung, dass es sich etwa um einen "Ohling" unserer Familie handeln könne, wird an Hand einiger Nachforschungen schnell bestätigt. Mehr noch- bei weiterer Vertiefung in die fast lückenlosen Archivalien lernen wir einen Mann kennen, der einen so bemerkenswerten Lebensweg ging, dass es sich lohnt, sich diesen auch in unserer- so schnellebigen- Zeit noch einmal zu vergegenwärtigen.
In dem Tagebuch des Silberschmiedes Cryne Claassen Ohling - dem Vater des hier genannten Lucas Ohling- lesen wir, dass ihm und seiner Ehefrau Elske Peters Pannenborg am Freitag dem 08.08.1749 zwischen 22 und 23 Uhr ein viertes Kind -ein Sohn- geboren und am 10.08.1749 durch den Dom. ter Haseborg zu Weener auf den bereits genannten Namen Lucas Pannenborg Ohling getauft wurde.
In dem mit Verlässlichkeit und Genauigkeit geführten Tagebuch des Vaters lesen wir (in chronologischer Reihenfolge) weiter, dass sein Sohn am 21.03.1771 die Stelle eines Gesellen bei dem Goldschmied Brümmer in Emden antritt, die er bis zum 07.04.1773 -also ca. zwei Jahre- innehält. Das schon fortgeschrittene Alter des Lucas lässt uns vermuten, dass dieser seine Lehrlingszeit bereits bei seinem Vater selbst absolvierte, der, wie wir ja wissen, denselben Beruf ausübte.
Nachdem er sich ein gutes Jahr bei seinem Vater in Weener aufgehalten hat, geht er am 12.07.1774 nach Leeuwarden (Westfriesland) um dort in seinem Beruf eine Stellung beim Goldschmiedemeister Hendrik Douw anzunehmen. Hier verfertigt er auch sein Meisterstück, das es ihm ermöglicht, am 28.07.1779 als "Meester Silversmid" in die Gilde aufgenommen und fast gleichzeitig als Bürger der Stadt Leeuwarden eingeschrieben zu werden. Also erst im dreissigsten Lebensjahr hat er seine Berufsbildung derart abschliessen können, dass er sich selbständig machen, und an die Gründung einer Familie denken kann.
Das tut er auch unverzüglich, indem er das am Kornmarkt (jetzt Voor Streek) gelegene Haus "De Iysern Mann" erwirbt, um dort seinen Beruf für eigene Rechnung zu betreiben. Fast gleichzeitig, am 01.08.1779, heiratet er Tryntje Teenstra (Verw. van Drint) aus Workum, die eine Tochter Henderina aus erster Ehe mitbringt. Schon im darauffolgenden Jahr -so erfahren wir- stellt Lucas seinen ersten Lehrling ein. Daraus kann geschlossen werden, dass seine Arbeiten, trotz bestehender Konkurrenz, guten Anklang in Stadt und Land fanden, und dass damit eine ausreichende -wenn nicht sogar gute- Lebensgrundlage für ihn und seine Familie geschaffen war.
Er selbst arbeitet -wie sein Lehrmeister H.Dauw- in dem sogenannten Lodewyk XVI -Stil, für den Portraitmedallions sowie Blumengehänge und -schnüre in symmetrischer Anordnung als Dekor kennzeichnend sind. Es handelt sich dabei um eine französische Stilrichtung, die jedoch mit Merkmalen der bodenständigen, in hoher Blüte stehenden, friesischen Silberschmiedekunst vermischt wurde. Nach Aussage des Buches "Fries Silver" können die bereits genannten Silberschmiede mit zu den hervorragendsten Vertretern dieser Stilrichtung gerechnet werden.
Unter den uns bekannten Arbeiten unseres Lucas Ohling sind im Zusammenhang mit diesem Stil insbesondere ein silberner Kessel mit Stove (Bouilloire), ein runder "Brandwienskoop", eine Tee- und Kaffeekanne sowie eine Tabacksdose als charakteristisch zu nennen. Diese und auch alle übrigen Arbeiten legen Zeugnis ab von einem ausgezeichneten Können und Beherrschung des Materials, die dem seinerzeit wirklich meisterlichen Handwerk zuzuschreiben ist noch bevor dieses wohl Anfang des neunzehnten Jahrhunderts der industriellen Fertigung zunehmend weichen musste.
Neben den bereits genannten Stücken verfertigte er aber auch noch unzählige andere Arbeiten- je nachdem wie die individuellen Wünsche des einzelnen Auftraggebers ausfielen. So sind uns desweiteren eine Tintengarnitur für den Schreibtisch, verschiedene Broschen und Spangen, ein Löffel für die Bäckergilde sowie eine schwere Königskette der Schützen von Leeuwarden bekannt. Dass er auch im sakralen Bereich tätig war, bestätigen uns Silberarbeiten, die noch heute im Besitz verschiedener Kirchengemeinden in Westfriesland sind. Insgesamt ist uns die Zahl seiner Arbeiten leider nicht bekannt, jedoch lässt sich unschwer erkennen, dass unser Lucas Ohling ein ungemein schaffensfreudiger Mensch gewesen sein muss, der zudem auf 's glücklichste mit einer künstlerischen Veranlagung versehen war, die er offensichtlich von seinem Vater, dem Silberschmied zu Weener, ererbt hatte.
Neben seiner künstlerischen Aktivität nahm er sich gewissermassen als Hobby auch die Zeit zu umfangreichen naturwissenschaftlichen Studien, deren Ergebnisse er von Fall zu Fall veröffentlichte. Dabei ist uns nicht bekannt, dass er eine besondere schulische Ausbildung genoss. Gewissermassen als Autodidakt verfasst er zum Beispiel folgende uns bekannte Artikel:
1.) Beschreibung der drei künstlichen, astronomischen, mechanischen Uhren zu Strassburg, Lyon und Prag.
2.) Über die sogenannte Reusen- bzw. Wetterharfe und die Aeolus- oder Windharfe.
3.) Über die Automaten.
4.) Über die neuerfundenen Filtrierwerkzeuge.
5.) Über einige wichtige Pflichten hinsichtlich der Augen.
Während Lucas die zuvor genannten Titel in den "Allgemenen Vaderlandschen Letteroeffeningen" veröffentlicht, hat er folgende Titel in Buchform beim Verlag W.Holtrop und G.M.Cahais, Amsterdam/Leeuwarden in vier Bänden herausgebracht: "Rekenkunstige Voorstellen, outleend uit de Natuur - Sterre - en Zeefahrtskunde, Aardriyks - Land - Plaats en Volks - Beschriyving, biyzonder die von ons Vaderland, met toepassing op de Geschiednissen, Kunsten en Wetenschappen, ter merdere Uitbreiding van algemeen nuttinge Kundigheden."
Dieser langatmige Buchtitel lässt unschwer erahnen, dass es sich hier um einfache bis sehr schwierige Rechenaufgaben handelt, die in verschiedene, zum Teil umfängliche Fragestellungen der Natur-, Stern-, Seefahrts-, Land-, und Volksbeschreibung usw. eingekleidet sind. Aber schon die Absichten dieser Veröffentlichung finden wir im letzten Absatz des Titels selbst beantwortet, wo er als Grund seiner Arbeiten die Verbreitung allgemein nützlicher Wissenschaften angibt. Seine Absicht war - auch seiner Einleitung zufolge - der Jugend die Rechenkunst auf angenehme Weise beizubringen, um sie damit den Wissenschaften näher zu bringen und ihre Wissbegier zu befriedigen. Hintergründig mag ihm auch seine eigene Jugend bei dieser Argumentation vor Augen gestanden haben, da ihm diese eine gründliche oder gar wissenschaftliche Schulung vorenthielt, die er im späteren Leben auf Grund seiner weitgespannten Interessen doch wohl sehr vermisste. Wenn ihm auch- wie uns berichtet wird- ein deutsches Werk Anleitung gegeben haben mag, so hat ihn doch seine eigene ausserordentliche Belesenheit sowie die Beherrschung der niederländischen, deutschen, englischen und französischen Sprache und auch seine allgemeinen und technischen Grundkenntnisse in den Stand versetzt, ein solches Werk zu schreiben, was ihm Prof van Swinden * in seinem Nachwort im letzten Band anerkennend bestätigt.
* Hoogleeraar J.H. van Swinden am Athenaeuem Illustre zu Amsterdam
Dass Lucas Ohling mit seinen vier Bänden das Bildungsangebot seiner Zeit erheblich angereichert haben muss, mag daran deutlich werden, dass nach der ersten Veröffentlichung in in den Jahren 1803-1805 ein zweiter im Jahre 1809 und ein dritter Druck in den Jahren 1824/1827- also viele Jahre nach seinem Tode- im Jahre 1806 erschien.
Zu dem von Professor J.H. van Swinden in seinem Nachwort im vierten Band angeführten -"nützlichen und angenehmen"- Briefwechsel, den er mit dem Verfasser pflegte, ist zu sagen, dass dieser sich im Kern mit der damalig so verschiedenen Ordnung der Masse, Gewichte und Münzen befasste, da beiden die Verschiedenheit, die in ihr enthaltene Willkür und Ungenauigkeit der genannten Masseinheiten selbst, als auch deren schwierige Umrechnung von einer Masseinheit in eine andere zu ungenau und zu zeitraubend erschien, und dies vor dem Hintergrund, dass die jeweiligen Masseinheiten eine oft nur äusserst begrenzte regionale Ausbreitung hatten. Die damals herrschende, chaotische Buntheit von Masseinheiten wie Fuss, Elle, Daumen, Spanne, Rute etc., die sich zudem noch an Ländern, Provinzen, Städten orientierte war eine Quelle von Fehlern und Erschwernissen und ihr Mangel an Präzision bildete ein schweres Hindernis sowohl hinsichtlich der aufstrebenden Naturwissenschaften als auch des Handels, des Handwerks und damit des allgemeinen Fortschrittes. Also schon am Ausgang des 18. Jahrhunderts war man sich in Fachkreisen der Mängel der vorhandenen Masssysteme sehr wohl bewusst und trachtete danach, in der Natur selbst eine unveränderliche Einheit zu finden, die allgemein benutzt werden konnte.
So verwundert es uns nicht, dass Professor J.H.van Swinden in den Jahren 1798/99 an einer Konferenz zur Vereinheitlichung der Masssysteme in Paris teilnimmt, bei der schon das Meter als vierzigmillionster Teil des durch Paris gehenden Erdmeridians im Gespräch ist, das schliesslich erst im Jahre 1875 zur sogenannten "Meterkonvention" und damit zur Einführung des metrischen Systems in 19 Staaten führte.
Zu diesen Fragestellungen, die auf die Erlangung einheitlicher Masse und Gewichte abzielten, trägt Lucas Ohling insofern bei, als er sich mit dieser Materie in dem von ihm veröffentlichten Artikel "Über die allgemeine Ordnung der Masse und Gewichte" (Erschienen im vierten Band) auf das eingehendste auseinandersetzt, indem er die Nachteile der seinerzeit gültigen Masssysteme denen eines künftigen metrischen Masssystems gegenüberstellt und dessen Vorteile an verschiedenen Beispielen in den einzelnen Massdisziplinen demonstriert und erläutert. Veranlassung zu diesem Artikel wird ihm einerseits sein Beruf als Silberschmied und andererseits die Arbeit an den von ihm verfassten Rechenbüchern gewesen sein, da er sich hierbei dauernd vor die Aufgabe gestellt sah, lästige und schwierige Umrechnungen irgendwelcher Masseinheiten vorzunehmen.
Wir sehen also, dass sich Lucas Ohling neben seinem Beruf als Silberschmied, der ihm das Auskommen seiner Familie sicherte, sich so intensiv mit naturwissenschaftlichen Dingen befasst hat, dass er sich mittels der von ihm erarbeiteten Kenntnisse in den Stand versetzt sah, mit so renommierten Wissenschaftlern -wie Professor van Swinden- eine Korrespondenz in dessen Disziplin zu unterhalten und mit fundierten Artikeln an die Öffentlichkeit zu treten. Nach alledem kann daher auch nicht -wie zuvor leichthin geschehen- von einem "Hobby" im Sinne des heutigen Sprachgebrauchs die Rede sein, sondern von einem fähigen Autodidakten, der sich das erforderliche Wissen mittels Belesenheit und der bereits erwähnten Sprachkenntnisse -nicht ohne Energie und Ausdauer- selbst aneignete. Jedenfalls ist uns nicht bekannt, dass ihm das hierzu erforderliche geistige Rüstzeug etwa über eine entsprechende Schule oder gar eine Universität vermittelt wurde.
Wir können also feststellen, dass es an der Wende vom achtzehnten zum neunzehnten Jahrhundert durchaus möglich war "gewissermassen auf dem zweiten Bildungswege" sich ein beachtliches Wissen anzueignen, was jedoch einer ausgesprochenen Tatkraft, Durchhaltevermögens und eines schier unstillbaren Wissensdurstes bedurfte.
Im vorliegenden Fall wäre es jedoch weit gefehlt, wenn man annähme, dass die Hinwendung zu seinem Beruf sowie das Interesse an den Naturwissenschaften die Leistungsfähigkeit unseres Lucas Ohling erschöpft hätten. So ist uns überliefert, dass er am öffentlichen Leben im kommunalen Bereich rege Anteilnahme bekundete. Diese Tatsache und wohl auch sein ansprechendes offenes Wesen, sowie seine Persönlichkeit insgesamt bewogen schliesslich auch die Bürgerschaft Leeuwardens, ihn am 06.05.1785 zum Buerger Fähnrich der Schützengilde im Stadtbezirk "Oost-Minnema" zu wählen. Leeuwarden war seit 1550 in vier Espels (Stadtteile) gegliedert: Oldehoofster-, Minnema-, Hoekster-, und Keipemaespel.
Damit eröffneten sich ihm Einflussnahme- und Aufstiegmöglichkeiten auf kommunalpolitischer Ebene innerhalb dieser Stadt. Dieser Umstand erscheint heute um so bemerkenswerter, wenn man sich nochmals vergegenwärtigt, dass er erst im Jahre 1779 -gewissermassen als Fremder- in die Bürgerrolle von Leeuwarden eingeschrieben wurde. (Zwiefelsohne hatte er sich also innerhalb dieser kurzen Zeitspanne einen so geachteten Platz innerhalb seiner Mitmenschen errungen, dass ihn diese in freier Wahl zum Bürger-Fähnrich wählten, wobei man wohl unterstellen kann, dass es sich damals im wesentlichen um eine "Persöhnlichkeitswahl" handelte.)
Erstaunlich ist es aber -wie den Archivalien entnommen werden kann-, dass Lucas Ohling bereits am 24.03.1786 wieder seines Postens als Fähnrich der Schützengilde enthoben wird. Als Grund dieses Geschehens wird uns überliefert, dass es an dem genannten Tage darum ging, den Eid auf ein bereits seit dem Jahre 1748 zur Verabschiedung anstehenden Regierungsreglements abzulegen, sowie um die Wahl des Magistrats von Leeuwarden. Die Hintergründe dieses Vorfalles müssen wohl in der Einflussnahme des Hauses Oranien auf kommunalpolitische Bereiche gesehen werden. -Fest steht jedoch, dass die bereits genannte Vereidigung sehr kurzfristig auf den 24.03.1786 angesetzt wurde, wozu der Rat der Stadt sowie die 21 Befehlshaber der Schützen (1 Kolonne, 10 Hauptleute und 10 Fähnriche) auf 's Rathaus gebeten wurden. Dort verweigern jedoch die Herren des Rates und sieben Mitglieder der Schützengilde -unter ihnen auch Lucas Ohling- den geforderten Eid.
Zwar argumentiert er, man habe ihm "keine Gelegenheit eingeräumt, zu lesen und zu überdenken was er beschwören sollt." Doch ist unschwer den Akten zu entnehmen, dass er mit dem Reglement selbst auch nicht einverstanden war, da er glaubte, dass die Rechte des Hauses Oranien in ihm zu sehr beschnitten würden. Er verweigerte die Ablegung des Eides nicht gänzlich, doch er erbat zunächst eine Bedenkzeit von zwei Stunden, um sich noch eingehend zu informieren.
Dies wird ihm jedoch rundweg mit dem Bemerken abgeschlagen, eine solche Absicht sei nicht angebracht und man stellt ihn unvermittelt vor die Alternative, den Eid umgehend abzulegen oder aber von seinem Posten als Fähnrich zurückzutreten. Erst jetzt zieht er die Konsequenz und lässt sich aus dem Amt als Bürgerfähnrich entfernen, um nicht gegen sein eigenes Gewissen entscheiden zu müssen.
Diese hier geschilderte Handlungsweise ruft ganz unvermutet im nachhinein sowohl innerhalb der Schützengilde als auch bei den Bürgern der Stadt eine solche Resonanz der Hochachtung hervor, dass man ihm schon am 08.04.1786 anlässlich einer hierzu eigens angesetzten kleinen Feierstunde einen Gedenkpfennig (Medaille) in Silber verehrt, der ihm mit einer ehrenden Ansprache durch Herrn T.Lenhuis -einem Mitglied der Schützengilde von "Oost-Minnema"- ausgehändigt wird. Diese Ansprache sowie die ausführlichen Dankesworte von Lucas Ohling, -die nochmals eine Rechtfertigung seiner Haltung zum Inhalt haben-, sind im Wortlaut überliefert.
Es ist für manchen von uns nicht ohne Reiz diese Ansprache zu lesen, da sie einmal die etwas wortreiche und verbrämte Sprache der damaligen Zeit vermittelt und uns andererseits zeigt, mit welchem Engagement schon damals um persönliche Standpunkte und politische Richtungen gerungen werden konnte. Über den Verbleib der genannten Medaille ist uns nichts bekannt. Dafür ist uns aber eine genaue Beschreibung dieser Medaille erhalten geblieben. Sie zeigt uns auf der einen Seite einen Lorbeerkranz, worin sich ein flammendes Herz mit folgendem Gedicht befindet:
Elk schutter voelt ziyn dankbaar hart outwonken
voor Oling ziyn gewesen Officier
Elk vraagt: war mee dien braaven man beschonken?
Hoogachtig roept: Bekranst Hem met Lauwrier!
Die Rückseite zeigt eine symbolische Darstellung der am 24.03.1786 vorgefallenen Ereignisse und darunter diesen Vers:
Oprecht, standvastig, vry. Getrouw
Leg ik Miyn wapens neer,
eer ick dat stuk bezweeren zou:
ick acht dien eed te teer!
Da ihm für sein Verhalten derartige Ehrungen zuteil wurden, setzt es uns auch nicht mehr in Erstaunen, wenn wir erfahren, dass ihm bereits vier Jahre später, nachdem sich die Gemüter wieder beruhigt hatten, die Rehabilitation zuteil wird. Am 06.08.1790 wird er abermals auf Empfehlung der Wach- und Freikorporäle im Stadteil Oost-Minnema erneut zum Bürgerfähnrich und schon am 10.06.1791 zum Hauptmann der Schützen gewählt und vereidigt. Die für ihn so positive Entwicklung ist in seinem Rückhalt und der grossen Hochachtung bei den Schützen und Bürgern der Stadt zu suchen.
Damit rundet sich das Bild des Lucas Ohling ab, den man in den Archivalien nicht nur als Silberschmiedemeister sondern auch als "Rechenkundigen" vermerkt findet.
Hinsichtlich seines Familienlebens wäre noch nachzutragen, dass ihm das einzige, leiblich geborene Kind -der Sohn Nicolaes- erst zweijährig am 10.12.1782 durch die Pocken wieder genommen wird.
Dieses Schicksal hat ihn wohl bewogen, im Jahre 1786 die Vormundschaft über Saaskien und Maria Daats -die unmündigen Kinder eines Weinhändlers- zu übernehmen. Lucas Ohling und auch seiner Frau Tryntje sollte kein langes Leben beschieden sein. Seine Frau Tryntje stirbt am 04.04.1806 und er selbst am 20.04.1806 an den seinerzeit wieder einmal grassierenden Pocken. Beide werden in einem Doppelgrab in Huizum, einem Dorf, das ehedem vor Leeuwarden gelegen war, beigesetzt.
Gerhard K.E. Ohling, Aurich